Stadtteilverein Rohrbach > Die Begrüßungsrede 2016

Kerwe 2016

Begrüßung durch den Stadtteilvereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Fuchs

Hans-Jürgen Fuchs bei der Begrüßung zur Kerwe 2016Liebe Freundinnen und Freunde der Rohrbacher Kerwe, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich danke Ihnen allen, dass Sie heute gekommen sind zur Eröffnung der Rohrbacher Traditionskerwe.

Und diese, die Traditionskerwe, soll heute auch mein Thema sein. Was ist das denn, die Traditionskerwe? Nun, das ist die Eröffnung am Rathaus, natürlich die Kerweredd, der Fassanstich auf dem Kerweplatz, die Zelte der Kerwevereine auf dem Platz und die Schausteller nebenan, die Band am Samstagabend, diesmal Kings Cross, und die am Sonntag, wieder Christopher Wüst. Die Traditionskerwe ist der Käblestanz, der Streichelzoo (Virus), das Jahrgangstreffen am Montag, und die Verbrennung der Schlumpel zum Abschied von der Kerwe.

Aber diese, die Schlumpelverbrennung wird es diesmal nicht geben. Der Grund ist aber nicht, wie manche vermuten, politische Überkorrektheit. Es stimmt schon, vor der letzten Kerwe wurden wir mit Hinweis auf brennende Flüchtlingsheime aufgefordert, auf die Schlumpelverbrennung zu verzichten. Das haben wir nicht getan, denn wir halten es für völlig unangemessen, diesen Zusammenhang herzustellen. Wie kann man die Barbarei eines realen Angriffs auf Menschen mit einer traditionellen Symbolik vergleichen?

Einer Symbolik, die uns allerdings selbst nicht mehr zeitgemäß erscheint. Bei der Auswertung der letzten Kerwe auf einer Sitzung des Stadtteilvereins gab es eine lange Diskussion und einen einstimmigen Beschluss, künftig auf die Schlumpelverbrennung zu verzichten. Die Kerwe soll künftig mit einer Verabschiedung der Schlumpel enden.

Ist das nun das Ende der Traditionskerwe? Gegenfrage: beim Kälblestanz gibt es seit langen, langen Jahren kein Kalb mehr zu gewinnen. War das Abschaffen des Kalbs etwa das Ende der Traditionskerwe?

Aber ich will nicht verhehlen: Die Traditionskerwe ist heute in der Tat bedroht. Aber nicht durch unsere Entscheidungen, sondern durch die Umstände. Denn Traditionen bewahren heißt auch, dass diese gelebt werden müssen. Und Traditionen leben heißt blöderweise auch, dass es Leute geben muss, die bereit sind, mit anzupacken.

Viele 30-, 40-, 50-Jährige haben in ihrem Leben noch nie etwas ehrenamtlich getan. Andererseits gibt es bei uns 60-, 70-, ja 80-Jährige, die immer bereit sind Hand anzulegen, die alles tun, damit andere kommen können und Feste und Traditionen genießen. Aber auch die 60-, 70-, 80-Jährigen werden einmal müde. Zum Glück gibt es Leute die nachrücken, wie zum Beispiel die Rohrbacher Jungs, die uns wirklich kräftig unterstützen. Aber es werden immer weniger, die das tun.

Und das nicht nur im hiesigen Stadtteilverein, sondern in allen Vereinen. Auf dem Dilsberg droht dem Burgfest das Aus. Viele Vereine hatten das Fest früher zusammen gestemmt, zum Schluss war nur noch einer geblieben.

Der HCC, der bisher das Abholen der Schlumpel vom Rathaus begleitete hat nicht mehr genügend aktive Musiker und ist dieses Jahr nicht spielfähig …

Und auch den Kerwevereinen fällt es jedes Jahr schwerer, die Menge an ehrenamtlichen Helfern zu organisieren, die gebraucht wird, um die Kerwe möglich zu machen.

Und manche Vereine mussten schon ganz aufgeben. Wenn an Weihnachten ein Weihnachtsbaum an der Aussegnungshalle steht, so war das viele Jahre das Verdienst des Gewerbevereins. Der existiert aber praktisch nicht mehr. Der Stadtteilverein hat die Organisation übernommen, der Obst- Garten- und Weinbauverein hat bisher den Baum gestellt, geschmückt und abtransportiert. Die Evangelische Kirche hat den Baum besorgt und der Stadtteilverein hat ihn bezahlt. Ob das in Zukunft noch so sein kann, ist im Moment leider unsicher. Sicher aber ist: wenn es keinen Weihnachtsbaum mehr gibt, werden sich viele Leute beschweren. Leute, die aber nicht bereit wären, diese Arbeit verantwortlich zu übernehmen. Ich will niemandem, der sich nicht engagiert Vorwürfe machen. Ich kann nicht in ihre Köpfe, ich kann nicht in ihr Leben blicken und kenne nicht die Zwänge, die sie daran hindern. Aber ich bitte umgekehrt darum, dass Sie uns das auch zugestehen. Denn auch die Vereine hier, auch die Kerwevereine haben massive Probleme, genügend Leute zu finden, die sich engagieren.

Und andererseits hat der Besuch bei der Kerwe in den letzten Jahren nachgelassen. Deshalb müssen auch wir, Stadtteilverein und Kerwevereine überlegen, wie wir künftig Kerwe feiern können. Da sind Anregungen von außen möglicherweise hilfreich. Und die kommen natürlich.

Es gibt ja nicht nur diejenigen, die eigentlich an der Kerwe überhaupt nichts ändern wollen, sondern auch die, die am liebsten gleich alles verändern würden. Das Festwochenende zur 1250 Jahr Feier war ein großer Erfolg, und danach hätten am liebsten alle gehabt, dass wir die Kerwe immer so feiern wie dieses Wochenende.

Da gibt es aber viel zu bedenken: Wie hoch sind z. B. die Kosten (GEMA und Absperrmaßnahmen: 5.000 Euro) und wer trägt sie? Wer organisiert das Ganze? Welche Vereine würden sich beteiligen? Und wieder: wer macht die ganze ehrenamtliche Arbeit? Das alles ist sehr vielschichtig und muss genau überlegt werden.

Und das werden wir auch tun. Stadtteilverein und Kerwevereine haben bereits letztes Jahr beschlossen, dass wir das Jubiläumsfest neu und die Kerwe traditionell feiern werden und die Erfahrungen dann in Ruhe auswerten werden … und dann entscheiden, was wir künftig tun.

Entscheiden müssen wir schließlich auf der Basis der vorhandenen Ressourcen, des vorhandenen Engagements. Wenn z. B. der HCC nicht spielfähig ist, kann auch ich das nicht ändern. Ich könnte versuchen, selbst zu spielen. Aber glauben Sie mir: das würde Ihnen nicht gefallen.

Also seien Sie bei manchen Entscheidungen anderer Meinung, ärgern Sie sich darüber, aber unterstellen Sie uns bitte nicht, dass wir Traditionen zerstören wollen.

Wir werden unser Bestes tun, sie zu erhalten. Aber auch wir sind nicht allmächtig, sind nicht in der Lage, jede Veränderung aufzuhalten und alles, was irgendwo wegbricht, mit unseren Engagierten aufzufangen.

Jetzt aber will ich aber zum Ende kommen und Platz machen für Bürgermeister Dr. Gerner. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!