Das goldene Zeitalter der Kurpfalz Kurfürst Carl Theodor
 

Das Rohrbacher Schlösschen; Nach einem Gemäde von Juliane Kaiser
Das Rohrbacher Schlösschen, nach einem Gemälde von Juliane Kaiser

Die Anfänge des Rohrbacher Schlösschens liegen im 18. Jahrhundert, in dem die Kurpfalz unter dem Kurfürsten Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach (1724-1799) eine kulturelle Blüte wie nie zuvor erlebte. Carl Theodor verstand es, den Spätabsolutismus mit seiner höfisch-barocken Prachtentfaltung mit dem Geist der Aufklärung zu einer einzigartigen Symbiose zu verbinden. Die spätere Geschichtsschreibung bezeichnete ihn mit Recht als „Grandseigneur des Ancien Regimes“. Unter dem großzügigen Förderer von Kunst und Wissenschaften wurde die Residenzstadt Mannheim zu einer barocken Hochburg der Architektur, der bildenden Künste, der Musik und der Naturwissenschaften auf deutschem Boden.

Porträt des Kurfürsten Carl Theodor. Gemälde von Georg Desmarees, Kurpfälzisches Museum. Carl Theodor ist dargestellt in barocker  Pose

Porträt des Kurfürsten Carl Theodor. Gemälde von Georg Desmarees, Kurpfälzisches Museum. Carl Theodor ist dargestellt in barocker  Pose
mit Kurfürstenhut und Marschallstab, den Insignien seiner Macht. Die Reichskrone hinter dem Kurfürstenhut weist auf das Amt des Reichsverwesers.
 
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Mehr zum Thema finden Sie in dem folgenden Buch:

"Das Rohrbacher Schlösschen"
von Prof. Dr. Ebert

 311 Seiten, reich farbig bebildert. 

Das Buch ist für 26,50 € plus Versandkosten zu beziehen bei der

Pressenstelle der Thoraxklinik

 

 

Einleitung 

Die Stadt Heidelberg ist gewiss nicht arm an großartigen Sehenswürdigkeiten. Das Ensemble aus Stadt, Bergen und Fluss gilt mit Recht als ein Gesamtkunstwerk, das große Dichter wie Oskar von Wolkenstein, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin oder Clemens von Brentano zu unvergesslichen Versen inspirierte. Die historische Altstadt wird gekrönt von den Ruinen des imposanten Schlosses, in dem über Jahrhunderte das Geschlecht der Pfälzer Wittelsbacher residierte, das dem Alten Reich Kurfürsten und mit dem dritten Ruprecht einen König stellte. 

Neben dem weltbekannten Schloss auf dem Jettenbühl befindet sich eine weitere Wittelsbacher Residenz in Heidelbergs Mauern: das Rohrbacher Schlösschen des Herzogs Carl II. August von Pfalz-Zweibrücken. Dieses Juwel auf dem Gelände der Thoraxklinik Heidelberg zu Füßen des Kühlen Grundes drohte im Laufe der Jahre der Vergessenheit anheim zu fallen. Es blieb der Initiative des Geschäftsführers der Klinik, Herrn Dr. Joachim Haun, vorbehalten, das Schlösschen zu neuem Leben zu erwecken. Er gab den Anstoß zu seiner umfangreichen Restaurierung. Unter der sachkundigen Beratung durch den Kunsthistoriker Dr. Carl Ludwig Fuchs und Dr. Frieder Hepp vom Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg wird das Schlösschen zur Zeit Zug um Zug in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Die Restaurierungsarbeiten sind mittlerweile so weit gediehen, dass schon jetzt der große Salon und die Kabinette im Erdgeschoss in neuem Glanz erstrahlen. In absehbarer Zeit wird auch das Obergeschoss mit seinem großen Balkon zum Schlosspark renoviert sein, sodass das Schlösschen wieder seinen gebührenden Rang im Reigen der Kurpfälzer Schlösser einnehmen wird. 

In den Ländern der Pfälzer Wittelsbacher überstanden nur wenige Adelssitze unversehrt die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten 200 Jahre. Zahlreiche Schlösser in der Kurpfalz und im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken gingen während der Revolutionskriege am Ende des 18. Jahrhunderts und spätestens im 2.Weltkrieg in Flammen auf. Rohrbach blieb dieses Schicksal erspart. Auch wenn wesentliche Teile des Inventars in bayerische Schlösser transferiert wurden oder im Laufe der Jahre verloren gingen, blieben Bausubstanz, wertvolle Stuckarbeiten und Fußböden sowie die Kamine aus französischem Marmor erhalten. Nicht zuletzt dieser Umstand begründet die Einzigartigkeit Rohrbachs. Somit steht dieses Schlösschen in der reichen Tradition des Kurpfälzer Erbes.  

Die Erinnerung an die Kurpfalz erlebte in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Gut besuchte Ausstellungen wie „Liselotte von der Pfalz. Madame am Hofe des Sonnenkönigs“ im Heidelberger Schloss (1997), „Lebenslust und Frömmigkeit. Kurfürst Carl Theodor zwischen Barock und Aufklärung“ im Reiss-Engelhorn-Museum zu Mannheim (1999), „Der Griff zur Krone. Schloss Heidelberg und die Pfalzgrafschaft bei Rhein“ im Heidelberger Schloss (2002), „Der Winterkönig Friedrich V von der Pfalz“ im oberpfälzischen Amberg und im Kurpfälzischen Museum (2003) oder „Die Kurpfalz im Übergang zu Baden 1803“ im Kurpfälzischen Museum (2003) halten das Bewusstsein an das stolze Fürstentum an Rhein und Neckar wach.  Die jüngste Ausstellung im Kurpfälzischen Museum „Porträts der Medici“ erinnert an Anna Luisa von Medici, die Gemahlin von Kurfürst Johann Wilhelm (1658-1716), dem Heidelberg nach der Zerstörung durch die Orleanschen Kriege (1689-1693) sein barockes Gepräge verdankt. Mannheim rüstet sich zur Zeit für die 400-Jahr-Feier im Gedenken ihrer Gründung durch Kurfürst Friedrich IV im Jahre 1607. Die Restaurierung historisch wertvoller Gebäude aus der Kurpfälzer Zeit wie das Mannheimer Schloss, die Jesuitenkirche, das Palais Bretzenheim oder das Zeughaus sind in vollem Gange. 2005 erfolgte die Gründung der Metropolregion Rhein-Neckar. Ein alter Traum ist damit Wirklichkeit geworden: Das Kurpfälzer Kernland beiderseits des Rheins ist nach 200 Jahren wiedervereint zumindest in einem gemeinsamen Kultur- und Wirtschaftsraum. 

In diesem Sinne versteht sich das vorliegende Büchlein. Es will anhand des Rohrbacher Schlösschens die überaus reiche Geschichte zur Zeit des Kurfürstentums Pfalz und des ihm nachfolgendem Großherzogtum Baden wieder lebendig werden lassen. Im  Schlösschen wurden rauschende Feste gefeiert und hohe Politik betrieben; der europäische Hochadel ging einstens in Rohrbach ein und aus. Später wurde der Adelssitz in ein Genesungsheim umgewandelt und das Schlösschen wurde Keimzelle eines Tuberkulosekrankenhauses, aus dem in unserer Zeit ein modernes onkologisch-pneumologisches Zentrum entstand.